Kinderleben in Indien im Blick

Sternsinger-Aktion gegen Kinderarbeit – in Indien und weltweit

In Firozabad (in Uttar Pradesh, etwa 40 Kilometer östlich von Agra), Indiens „Glass City“, arbeitet ein großer Teil der Bevölkerung in der Glasindustrie. Viele Familien in den Armenvierteln der Stadt verdienen ihren Lebensunterhalt mit der Herstellung von Armreifen aus Glas. Bei indischen Mädchen und Frauen sind sie als Schmuck sehr beliebt. Mehr als 200.000 Kinder schmelzen von früh morgens bis spät abends Rohlinge zusammen oder verzieren fertige Reifen mit Steinchen und Glitter. Dabei atmen sie ständig auch giftige Dämpfe ein.

In einem dunklen Raum sitzt Neetu (8) im Schneidersitz vor einer Flamme, die Beine werden an den Knien von zwei Ziegelsteinen gestützt. Neben ihr arbeiten ihre Mutter Dhan Devi und ihre Brüder Raj Kishore und Bholay. Foto: Kindermisssionswerk/Bettina Flitner
In einem dunklen Raum sitzt Neetu (8) im Schneidersitz vor einer Flamme, die Beine werden
an den Knien von zwei Ziegelsteinen gestützt. Neben ihr arbeiten ihre Mutter Dhan Devi und
ihre Brüder Raj Kishore und Bholay.  Foto: Kindermisssionswerk/Bettina Flitner

Der beißende Geruch von Kerosin steigt einem schon vor der Tür in die Nase. In einem dunklen Raum sitzt Neetu im Schneidersitz vor einer Flamme, die Beine werden an den Knien von zwei Ziegelsteinen gestützt. Neben ihr arbeiten ihre Mutter Dhan Devi und ihre Brüder Raj Kishore und Bholay. Von fünf Uhr morgens bis acht Uhr abends schmelzen die vier bunte Glasringe – rote, blaue, grüne. Konzentriert blicken sie in die zischenden Flammen vor sich, um sich möglichst nicht daran zu verbrennen.

Sonst ist nur das leise Klirren von Glas zu hören. Bis zu 15.000 Armreifen fertigen sie täglich in Akkordarbeit. Nur mittags machen sie eine kurze Pause. Nach dem Tod des Vaters vor sieben Monaten hat Neetu dessen Arbeitsplatz eingenommen. „Die Arbeit hat ihn krank gemacht und zum Schluss konnte er nicht mehr atmen“, erzählt das Mädchen traurig. Auch Neetu und ihre Geschwister macht die Arbeit krank. „Ich bekomme Kopfschmerzen und muss dauernd husten“, sagt die Achtjährige. Am Handgelenk trägt sie einen Glücksbringer, der sie vor Krankheit schützen soll. Auch ihr Bruder Srikrishan (15) hat einen solchen Talisman. Trotzdem ist er krank geworden und liegt fiebrig und matt im Bett. Das steht direkt hinter den Arbeitsplätzen der Familie. Ihr ganzes Leben spielt sich in diesem dunklen Raum voller Dämpfe ab: arbeiten, kochen, essen, schlafen.

In Firozabad, Indiens „Glass City“, arbeitet ein großer Teil der Bevölkerung in der Glasindustrie. Viele Familien in den Armenvierteln der Stadt verdienen ihren Lebensunterhalt mit der Herstellung von Armreifen aus Glas. Foto: Kindermisssionswerk/Bettina Flitner
In Firozabad, Indiens „Glass City“, arbeitet ein großer Teil der Bevölkerung in der Glasindustrie.
Viele Familien in den Armenvierteln der Stadt verdienen ihren Lebensunterhalt mit der Herstellung
von Armreifen aus Glas.  Foto: Kindermisssionswerk/Bettina Flitner

Weniger als drei Euro verdient die Familie am Tag

Es ist ein Teufelskreis: Um Medikamente für den kranken Vater zu kaufen, musste die Familie Geld leihen. Das muss sie nun zurückzahlen, plus horrender Zinsen. Die Kaiserschnittgeburt des Enkelkinds hat ein weiteres großes Loch in die Haushaltskasse gerissen. Neetus Mutter weiß genau, dass die Arbeit, die ihre Tochter täglich verrichtet, verboten ist und krank macht. „Aber was soll ich tun? Ich habe keine Wahl.“ 200 Rupien, weniger als drei Euro, beträgt das Tageseinkommen der Familie. Von dem Geld muss sie die Miete für das kleine Zimmer, für Essen und den Kredit bezahlen. Neetu kann sich nicht vorstellen, dass anderswo Kinder nicht arbeiten müssen, dass sie zur Schule gehen, sich mit Freunden treffen und spielen können. „Zum Spielen habe ich keine Zeit“, sagt sie. „Außerdem bin ich dafür viel zu müde.“

Die achtjährige Neetu kann sich nicht vorstellen, dass anderswo Kinder nicht arbeiten müssen, dass sie zur Schule gehen, sich mit Freunden treffen und spielen können. Foto: Kindermisssionswerk/Bettina Flitner
Die achtjährige Neetu kann sich
nicht vorstellen, dass anderswo
Kinder nicht arbeiten müssen, dass
sie zur Schule gehen, sich mit
Freunden treffen und spielen können.
Foto: Kindermisssionswerk/Bettina Flitner

Dilip Sevarthi, Projektpartner der „Sternsinger“, hat Neetu und viele andere Kinder über seine engagierte Stiftung "Vikas Trust" in ihrem Stadtviertel aufgesucht. „Ich habe Fünfjährige gesehen, die schon arbeiten müssen“, erzählt er. Mit Bildung und alternativen Erwerbsmöglichkeiten will er die Kinderarbeit bekämpfen. Mit Hilfe der Sternsinger sollen hier im Viertel bald eine kleine Schule und eine Frauenselbsthilfegruppe entstehen – wie bereits in 100 Dörfern und Armenvierteln zuvor. Sevarthis Stiftung unterhält auch eine eigene Bank, bei der Familien zinslose Darlehen aufnehmen können. So könnte sich bald Neetus größter Wunsch erfüllen: „Ich will in die Schule gehen!“ Sie weiß auch genau, warum ihr der Schulbesuch so wichtig ist: „Damit ich später studieren und Ärztin werden kann. Dann kann ich kranken Menschen helfen.“ (red)

Infos: www.sternsinger.de  www.vikastrust.in

 

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Anlaufstelle in Pune

 

Die Kooperation zwischen Karlsruhe und dem indischen Pune ist einen Schritt weiter: Im Januar 2014 wurde im "MCCIA Trade Tower", 403, Senapati Bapat Road, eine direkte Karlsruher Anlaufstelle mit den Repräsentantinnen Iris Becker und Winnie Kulkarni von "Let's Bridge IT" in Pune eröffnet.

Durch Erfolg und Ausbau der vielfältigen Aktivitäten - ob Infos rund um den Standort Karlsruhe, aktiv Kontakte zu indischen Firmen halten oder deutsche Firmen aus der TRK in und um Pune bekannter machen - erfolgte im März 2018 ein Umzug in neue Räumlichkeiten, auch durch die Erweiterung um die Repräsentanz des Landes Baden-Württembergs in Maharashtra sowie das Marketingbüro der „Hochschul Föderation Südwest“. 

 

Karlsruhe Cooperation & Marketing Office
Let's bridge IT, Ms. Iris Becker
9th Floor, Sunit Capital, Senapati Bapat Road, Pune 411016
Tel: +91 75 0782 7033